Medienmitteilung

Martinas Hoffnung

An einem sehr freundlichen und klaren Septembermorgen im letzten Jahr wachte Martina* mit der Hoffnung auf, dass die Schule ja vielleicht ein Schritt nach vorne und keine weitere Hürde sein würde. Das letzte Jahr war entmutigend verlaufen. Ihr Eltern leisteten den ganzen Tag lang in den Mülldeponien im Raum Belgrad schwere körperliche Arbeit, denn sie schauten sich dort nach Altmaterial um. Martinas Serbisch war nicht besonders gut, ihre Kleidung saß nicht, war abgenutzt und roch genau wie das ganze Viertel. Die anderen Schüler und ihre Sinne riefen ihr daher oft in Erinnerung, dass sie anders war. Ihre Eltern kannten sich nicht gut genug damit aus, wie man die Formulare ausfüllen musste oder wie sie ihr bei den Hausaufgaben helfen konnten. Und manchmal konnte sie vor Hunger kaum lesen.

Martinas Hope 01
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Einer der Treffs des Centers für die Integration Jugendlicher2022 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved.
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Aber sie hoffte, dass dieses Jahr vielleicht anders sein würde. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Centers für die Integration Jugendlicher halfen ihr beim Ausfüllen der Formulare. Das Center hat in Belgrad in Serbien zwei Treffs für Roma-Schulkinder eingerichtet. Diese können dort mitmachen, wenn ihre Eltern ihnen die Erlaubnis dazu erteilen. Am ersten Tag gab es in dem Treff neue Kleidung und Martina konnte sich dort waschen. Die Mitarbeiter halfen ihr nach der Schule bei den Hausaufgaben; sie durfte sich sogar einen neuen Rucksack für ihre Schulsachen aussuchen! Als sie schließlich erhobenen Hauptes das Klassenzimmer betrat, war sie daher durchaus hoffnungsfroh.

In der Hoffnung, dadurch einem Leben auf der Straße zu entgehen, meldeten sich im Herbst 180 Roma-Kinder an einer Schule an. Unterstützt werden sie von 30 Studenten der Universität Belgrad, die ihnen ehrenamtlich helfen, dem Center für die Integration Jugendlicher (CIJ) sowie Latter-day Saint Charities (LDSC). LDSC ist das humanitäre Hilfswerk der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ziel dieses Hilfswerks ist es, Leid zu lindern, Eigenständigkeit zu fördern und Möglichkeiten für den Dienst am Nächsten zu schaffen. Lazar Milosevic, Projektkoordinator des CIJ, erklärt, dass die Eltern nicht in der Lage sind, die erforderlichen Anmeldungsformulare auszufüllen, da sie „den ganzen Tag lang arbeiten, die meisten von ihnen bei der Müllabfuhr. Ihnen fehlt also die Zeit. Ihren Kindern fehlt es an Schuhen, Kleidung oder echter Körperhygiene.“

Martinas Hope 02
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Ehrenamtliche Mitarbeiter geben Roma-Kindern Einzelunterricht2022 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved.
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„LDSC konnte dem CIJ dabei helfen, einen Anlaufpunkt für Roma-Kinder zur Verfügung zu stellen“, erklärt Raelene Bills, eine ehrenamtliche Vollzeitmitarbeiterin der Kirche, und ergänzt: „LDSC hilft bei der Finanzierung der Initiative für Kinder aus weniger wohlhabenden Familien.“ Die Kinder kommen aus 27 informellen Roma-Siedlungen im Raum Belgrad und erhalten Mahlzeiten, die Möglichkeit zu duschen, neue Kleidung sowie Hilfe bei den Hausaufgaben. „Dank der Arbeit des [CIJ] können diese Kinder aus Roma-Familien nun ihre Schulaufgaben regelmäßig und erfolgreich erledigen“, so Svetlana Ilić, pädagogische Assistentin an der Jovan-Cvijić-Grundschule in Belgrad. „Diese Kinder erhalten eine reguläre Schulbildung und es besteht keine Gefahr, dass sie die Schule abbrechen und das reguläre Bildungssystem verlassen.“

„Die Kinder, die in äußerster Armut leben, – die meisten davon sind Roma – haben Probleme mit der Sozialisation. Das liegt an ihren Lebensbedingungen und daran, dass sie meist kein Serbisch sprechen. Wenn man Kindern Freizeitaktivitäten bietet und ihnen ermöglicht, mit anderen Kindern zusammenzukommen, stärkt man damit ihr Selbstwertgefühl und schenkt ihnen Selbstvertrauen. Wir sind sehr froh über unsere Arbeit und stolz auf sie“, so Milosevic, „aber es gibt viele Hindernisse und Probleme, was die öffentlichen Dienstleistungen für diese Menschen angeht. Wir haben fortwährend [mit Bestimmungen] zu kämpfen“, die diese Menschen vor schwierige oder unnötige Herausforderungen stellen. „Wenn man ihnen in den ersten Jahren Unterstützung bietet, … beugt man damit auch … späteren Schulabbrüchen vor.“

Martinas Hope 03
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Tafel von Latter-day Saint Charities an der Wand des Cafés des Centers2022 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved.
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„Ich betrachte unsere Workshops als eine Möglichkeit, auf diese Kinder, die im Klassenzimmer oft chancenlos sind, aufmerksam zu machen“, ergänzt Dijana Injac. Sie bemüht sich derzeit um einen Master-Abschluss in Serbistik, ist eine der drei Gewinnerinnen und Gewinner des Nationalen Preises für ehrenamtliche Tätigkeit und ist außerdem ehrenamtliche Mitarbeiterin im CIJ. „Viele haben bereits in ihren jungen Jahren mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und sind daher gezwungen, schon früh erwachsen zu werden.“ Dem fügt Milosevic hinzu: „Diese Kinder finden bei uns Liebe, Fürsorge und Freundschaft.“

Martinas Hope 04
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Zwei Roma-Mädchen suchen sich in einem Treff neue Kleidung und neue Schuhe für die Schule aus2022 by Intellectual Reserve, Inc. All rights reserved.
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„Ich bin Lehrerin im Center für die Integration Jugendlicher geworden und kümmere mich im Rahmen meiner Arbeit um Fünftklässler. Da sie ja schon älter sind, sind sie auch schon mit größeren Herausforderungen konfrontiert, was die Bildung anbelangt“, erklärt Dijana weiter. „Wir helfen ihnen, sich auf die neuen Lehrer und Fächer einzustellen. Am Ende des Workshops finden wir immer etwas Zeit für ein paar Erfrischungen, … lustige Spiele und schöne Gespräche.“ „Das CIJ betreibt ein Café. Einige ältere Roma haben dort Arbeit erhalten“, so Ralena Bills. „LDSC finanziert außerdem Schulsachen, Hygieneartikel, Material für Workshops, Fahrtkosten sowie Aktivitäten im Freien.“

*Der Name wurde geändert; es soll aufgezeigt werden, was viele dieser Schüler Tag für Tag erleben, ihre Identität soll jedoch geschützt bleiben.

Hinweis an Journalisten:Bitte verwenden Sie bei der Berichterstattung über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bei deren ersten Nennung den vollständigen Namen der Kirche. Weitere Informationen hierzu im Bereich Name der Kirche.